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| Ein Projekttag gemeinsam mit Jenaer Schulen |
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Wendeherbst. Das Recht auf Beteiligung. |
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"Früher hat es ausgereicht, dass drei
Männer die gleiche Mütze trugen, dann kam schon die
Polizei. Früher schrieben wir unseren Frust an die
Wände, heute sind alle Wände beschmiert. Früher
verteilten wir Flugblätter, heute liest die keiner
mehr!" Der das sagt, ist einer von denen, die Ende der
80er Jahre in Jena kleine Aufstände gegen die
"alltägliche, kleinbürger-liche Realität des
DDR-Sozialismus" anzettelten. |
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Die Feststellung des
ehemaligen Bürgerrechtlers traf den Kern: Was heißt
Widerständigkeit heute? Wie können sich junge Leute in
die Politik einmischen? Und wie lässt sich der
öffentliche Raum dazu nutzen? Rund 30 junge Gymnasiasten
diskutierten unter dem Dach des Jenaer Stadtmuseums mit der
Fraktionschefin von Bündnis90/Die Grünen und
ehemaligen Bürgerrechtlern diese Fragen. Fast drei Stunden
zuvor waren die Teilnehmenden in sechs Arbeitsgruppen auf
Spurensuche in der Jenaer Innenstadt gewesen, ausgerüstet
mit den "wi(e)derständebags", um auf 10 Fragen
Antworten zu finden und 10 Aufträge zu erfüllen.
15 Jahre nach dem "Wendeherbst 1989" machten sie sich
auf die Suche nach den Fußabdrücken des Projektes, um
Einblicke in eine Geschichte der Widerständigkeit in ihrer
Stadt zu bekommen, die lange vor den Demonstrationen im Oktober
89 begann. Zugleich fanden sie die Stadt ihrer Gegenwart und
damit die Frage nach Wegen und Motiven von Widerständigkeit
heute.
"Die wi(e)derstände zeigen, dass Freiheit nicht
aus sich heraus existiert, sondern erkämpft werden muss.
Wir leben in einer Freiheit, von der wir oft gar nicht merken,
dass sie da ist." lautete eine These. Andere formulierten
die schwierigen Seiten dieser Freiheit: "Heute kann ich
mich einen ganzen Tag auf die Straße stellen, doch an der
Politik ändert sich nichts!". Und ein Schüler der
Waldorfschule ergänzte: "Wirkliche Beachtung in
unserer Gesellschaft finden nur hochrangige Politiker und
Wohlhabende! Man muss sich schon von der Straße
prügeln lassen, damit man in die Presse kommt." Auch
eine andere Schülergruppe stellte die These von der
scheinbaren Unmöglichkeit des Widerstandes in den Raum:
"Man sieht es ja an den Punks. Jeder Widerstand wird sofort
vom Markt kommerzialisiert!" Vehement stemmten sich einige
gegen die aufkommende Resignation: "Wir können
trotzdem etwas tun. Vielleicht nicht mit Demonstrationen, aber
wenn wir gemeinsam für die andere Schüler an unserer
Schule etwas zum Thema Rechtsextremismus organisieren, dann ist
das auch so etwas wie Widerstand." Erst einige wenige,
dann nach und nach ein paar mehr, fragten nach den
Möglichkeiten politischer Partizipation, nach
Jugendparlamenten, nach politischen Vereinen oder nach
kreativen Protestformen. Ein Schüler formulierte es zum
Abschluss so: "Das Projekt hat mir klar gemacht, dass ich
fast nichts über die Geschichte meiner Stadt weiß.
Ich würde gern mehr darüber erfahren. Aber ich weiß
nicht wo." |
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